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Sprachdidaktisches Kolloquium

Sommersemester 2018


Das Sprachdidaktische Kolloquium wird gemeinsam vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln und dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ausgerichtet.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 18.00 Uhr (wir beginnen pünktlich) bis 19.30 Uhr im Raum 18 des Hauptgebäudes Humanwissenschaftliche Fakultät (ehem. Erziehungswissenschaftliche Fakultät) der Universität zu Köln (Gronewaldstraße 2, 50931 Köln) statt. Die letzte Veranstaltung des Semesters wird gemeinsam mit dem Literaturdidaktischen Kolloquium im Seminarraum S181 des Modulbaus der Humanwissenschaftlichen Fakultät abgehalten.

Zu den Veranstaltungen laden wir ausdrücklich auch unsere Studierenden ein.

Gäste sind herzlich willkommen.

Das Sprachdidaktische Kolloquium verfügt über einen E-Mail-Verteiler, über welchen regelmäßig Einladungen zu den entsprechenden Terminen, sowie die Abstracts oder gegebenenfalls kurzfristige Änderungen bekannt gegeben werden. Um sich in diesen Verteiler einzufügen, um ebenfalls per E-Mail informiert zu werden, tragen Sie sich bitte hier in den Verteiler ein.

17.04.2018: Prof. Dr. Björn Rothstein (Ruhr-Universität Bochum)

"Grundlegende Probleme der Grammatikdidaktik Deutsch"


Die gegenwärtige Grammatikdidaktik Deutsch für den Deutschunterricht an Schulen in Deutschland geht letztlich immer noch davon aus, dass seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur über "muttersprachliche" Kompetenzen des Deutschen, sondern auch über ein stilistisches und textuelles Gespür dafür, was sprachlich "richtig" ist, verfügt. Dass dabei ganze Schülergruppen marginalisiert werden, liegt auf der Hand. Gleichzeitig besteht auch für diejenigen Schülergruppen, die die notwendigen sprachlichen Voraussetzungen erfüllen, das Problem, dass das vermittelte explizite grammatische Wissen zum Teil mit den eigenen "muttersprachlichen" Kompetenzen konfligiert, beispielsweise bei sprachlichen Zweifelsfällen und den Konjunktivverwendungen. Mein Vortrag problematisiert diese Annahme vor dem Hintergrund von empirischen Belegen. Gesucht wird nach Lösungsansätzen.


05.06.2018: Prof. Dr. Julia Schwanewedel (Humboldt-Universität zu Berlin)

"Argumentieren in unterschiedlichen Domänen- Forschungsperspektiven zum Argumentieren in den Naturwissenschaften und im Fach Deutsch"


Argumentieren spielt im täglichen Leben, im Berufsleben und in Prozessen der gesellschaftlich-demokratischen Meinungsbildung eine wichtige Rolle. In den letzten zwei Jahrzehnten hat Argumentieren daher im Zusammenhang mit schulischer Bildung an Bedeutung gewonnen und wird in unterschiedlichen Domänen diskutiert und untersucht. Unter dem Terminus „Argumentieren“ wird dabei übergreifend ein kommunikativer Prozess verstanden, in dem Behauptungen oder Schlussfolgerungen eines strittigen Sachverhaltes durch Evidenzen gestützt werden. In den Naturwissenschaften wird das Argumentieren als Teil fachspezifischer Kommunikation (Kommunikationskompetenz), als eine zentrale Strategie der Wissensgenerierung (Fachwissen, Erkenntnisgewinnung) sowie als Fundierung eines Urteils (Bewertungskompetenz) betrachtet, wobei ein besonderer Fokus auf der fachlichen Adäquatheit und Relevanz der Argumentation liegt. Inwiefern es sich beim Argumentieren um eine domänen- oder fachspezifische Fähigkeit handelt, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Domänen bestehen und von welchen Faktoren die Fähigkeiten von Lernenden zu naturwissenschaftlichen Themen zu argumentieren beeinflusst wird, ist bis dato nur wenig bzw. auf geringer Datengrundlage beruhend untersucht. Im Vortrag werden die Ergebnisse eigener Studien vorgestellt und diskutiert, die eine übergeordnete fachdidaktische Perspektive einnehmen und das Argumentieren in unterschiedlichen Domänen (Naturwissenschaften vs. Deutsch) empirisch untersuchen. Im Fokus stehen strukturelle, inhaltsbezogene und sprachliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen schriftlichen Argumentationen Lernender in den naturwissenschaftlichen Fächern und im Fach Deutsch sowie die Überzeugungen von Lernenden und Lehrenden zum Argumentieren in beiden Domänen. Die Ergebnisse der Studien werden vor dem Hintergrund der Frage nach der Bedeutung schulischer Fachkulturen diskutiert. Darüber hinaus soll die Relevanz vergleichender, disziplinübergreifender Studien für eine erfolgreiche Förderung des Argumentierens im Rahmen schulischer Bildung herausgestellt werden.


19.06.2018: Prof. Dr. Wolfgang Steinig (Universität Siegen)

"Wandel im pädagogischen Diskurs der Grundschule"

An Grundschulen in Deutschland lassen sich – regional differenziert – unterschiedliche Formen der Wissensvermittlung und Kommunikation beobachten, die auf grundsätzlich anderen Vorstellungen der Strukturierung von Wissen und des Umgangs mit Kindern beruhen. Im Vortrag werden aus soziologischer und historischer Perspektive die Schulkulturen, die mit diesen Vorstellungen einhergehen, dargestellt und anhand des Schreibens und anderer Bereiche des Deutschunterrichts diskutiert.


03.07.2018: Prof. Dr. Günther Thomé (Institut für sprachliche Bildung Oldenburg)

"Rechtschreib-Förderdiagnosen aus freien Texten der Klassen 3–9 mit der Oldenburger Fehleranalyse (OLFA)"


Die Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) für die Klassen 3−9

Im Vortrag wird die OLFA für die Klassen 3−9+ als Forschungs- und als förderdiagnostisches Instrument vorgestellt. OLFA und OLFA-online ermöglichen als Forschungsinstrumente valide Erhebungen der Rechtschreibkompetenz und -leistung von großen Stichproben (Quer- und Längsschnittanalysen). Im förderdiagnostischen Bereich erlauben qualitative Rechtschreibanalysen mit OLFA 3−9:
– eine echte Förderdiagnostik bei großen Rechtschreibschwierigkeiten (Rechtschreibschwäche, -störung, LRS, Legasthenie)
– einen räumlich und zeitlich flexiblen Einsatz,
– eine Differenzierung von Kompetenz und Leistung,
– eine effektive Planung erfolgreicher, individualisierter Fördermaßnahmen,
– eine Lerndiagnostik ohne jegliche Stress- und Prüfungssituationen,
– eine hohe Motivierung durch die Rückmeldung über alle Lernfortschritte.

Literatur
Thomé, G.; Thomé, D. (2017): OLFA 3-9: Oldenburger Fehleranalyse für die Klassen 3−9. Instrument und Handbuch. 5., verbess. Aufl. Oldenburg: isb-Fachverlag.
OLFA-online-Version über www.olfaonline.de (für alle Berechnung, das Erstellen von Listen, Lernverläufen, Tabellen und schriftlichen Fördergutachten)


17.07.2018: Jun.-Prof. Dr. Bettina M. Bock (Universität zu Köln) und Dr. Sandra Pappert (Universität Heidelberg)

"Verständlich und angemessen? Befunde einer empirischen Überprüfung der 'Leichten Sprache'"


Auch wenn „Leichte Sprache“ mittlerweile als gesellschaftlich fest etabliert gelten kann, sind wesentliche Fragen nach wie vor ungeklärt. In nahezu allen Bereichen werden mittlerweile Texte mit diesem Label angeboten: seien es Märchen, die Evangelien, Webseiten, Nachrichten oder Wahlprogramme. Es gibt Lehrmaterialien für den Fachunterricht in allen Schulstufen, und für Lehrkräfte werden Weiterbildungen zu „Leichter Sprache“ angeboten. Selbsterklärtes Ziel dieser Textangebote ist die Ermöglichung von Teilhabe für die Zielgruppen „Leichter Sprache“. Die Wirksamkeit des Ansatzes ist bisher nicht belegt. In der Forschung werden Potenziale und Grenzen kritisch diskutiert. Empirische Studien zu „Leichter Sprache“ sind aber bisher noch selten. Im Forschungsprojekt „LeiSA“ an der Universität Leipzig (2014-2018) wurden die  sprachlichen und typografischen Gestaltungsprinzipien nun in einem breiteren Rahmen empirisch überprüft. Untersucht wurden ausgewählte Aspekte auf allen sprachlichen und textuellen Ebenen: Wortschatz, Worttrennung, Grammatik (u.a. Genitiv, Passiv, Negation, Nebensätze/Satzkomplexität, Topikalisierung), Text(funktions)verstehen, Makrotypografie von Textsorten, Sprache-Bild-Verhältnis, Bildarten. Zwei Adressatengruppen wurden in die Untersuchung einbezogen: Menschen mit sog. geistiger Behinderung und funktionale Analphabeten.
Im Vortrag sollen zwei Themenfelder eingehender vorgestellt werden:  Eine experimentelle Studie zum Effekt der Wortsegmentierung auf das Dekodieren sowie zwei qualitative Studien zu den Text(sorten)kompetenzen der beiden untersuchten Adr essatengruppen. Das Trennen von Wörtern (wie in Bundes-Gleichstellungs-Gesetz, Bundes-Tag) gehört sicher zu den am intensivsten diskutierten Merkmalen der „Leichten Sprache“ – und zwar sowohl, was den öffentlichen Diskurs betrifft als auch die internen (Weiterentwicklungs-)Debatten der „Leichte Sprache“-Community. Die (rezeptive) Text(sorten)kompetenz der Adressatengruppen ist im Kontrast dazu einer der Aspekte, denen in der bisherigen „Leichte Sprache“-Praxis keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt wurde – obwohl hier eine offenkundig zentrale „Schaltstelle“ in Bezug auf Teilhabebarrieren und Teilhabeermöglichung liegt.