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Gesamtprojekt

Unstetiges Wasser und das hydrosoziale Anthropozän in großen Flussdeltas


Wie äußern sich globale Krisen - von Wasser, Wirtschaft und Klima - im täglichen Leben von Menschen? Wie bewältigen Deltabewohner die beständige und sich beschleunigende Unstetigkeit von Wasser? Und was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den daraus resultierenden Dilemmata für die großen Deltas der Welt?

Auf der Grundlage von ethnographischen Feldforschungen wird das Projekt 'Unstetiges Wasser' eine empirisch breit unterlegte Darstellung der Leben von derzeitigen Bewohnern von vier sozioökonomisch und geographisch unterschiedlichen Flussdeltas entwickeln. In einer Zeit des raschen Wandels von Kulturen und Umwelt bietet Forschung zur Unstetigkeit von sozialem und ökologischem Leben einen wichtigen Beitrag nicht nur zum Verstehen dieser Veränderungen, sondern auch für die Korrektur weitverbreiteter Annahmen zu Beständigkeit und Stabilität von Leben auf der Erde. Deltas sind bekannt für ihre biologische Bedeutung und oft auch als dicht besiedelte Bevölkerungsgebiete, die jedoch hohe soziale und ökologische Vulnerabilität im Zusammenhang mit breiteren, häufig durch veränderte Wasserdynamiken geäußerten, Veränderungsprozessen aufweisen. Deltabewohner können besonders qualifiziert Informationen zu heftigen und ständig veränderten Wasserfluktuationen liefern. Vertiefte Einblicke aus ethnographischer Feldforschung sind notwendig, um den Trend zu abstraktem und oft nur statistischem Wissen in Diskursen zu Wasser und globalem Wandel zu ergänzen und auszugleichen.

Das Projekt wird vier ethnographische Studien mit Deltabewohnern erstellen. Diese verteilen sich geographisch auf verschiedene Weltregionen, um die große Vielfalt hydrosozial unstetiger Dynamiken zu erfassen. Feldforschungen werden im Mackenzie Delta (Kanada), Parnaiba Delta (Brasilien), Tana Delta (Kenia) und Ayeyarwady Delta (Myanmar/Burma) von jeweils einem Projektmitglied durchgeführt.

In ihrem Verbund werden diese Studien ein besseres Verständnis des täglichen Lebens in Deltas entwickeln und vertiefte Einsichten in die örtlichen Varianten grundlegender Veränderungen wie Globalisierung und Klimawandel für die Wechselwirkung von Wasser und Alltagsleben ermöglichen. Sie werden außerdem einen Beitrag zur Zusammenführung der theoretischen Stränge zur 'Hydrosozialität' und zum 'Anthropozän'-Ansatz in der Ethnologie und darüber hinaus liefern. Zusammen wird das Projekt einen systematischen und vergleichenden ethnologischen Forschungsansatz zum Leben in Deltas - mit einem Fokus auf die darin enthaltenden Konflikte und Korrespondenzen durch und mit Wasserdynamiken - entwerfen und entwickeln.